Livereview: Queensrÿche - Firewind - Mirrorplain

07. August 2019, Pratteln - Z7
By Rockslave
Die Ära Queensrÿche 2.0 mit Todd La Torre als Frontmann dauert mittlerweile auch schon sieben Jahre an, und mit dem Album «The Verdict», das heuer im Frühling erschienen ist, haben die Progressive Metal Ikonen aus den Staaten schon das dritte Werk in diesem Line-up auf die Menschheit losgelassen. Wer nach dem geräuschvollen Abgang von Ur-Sänger Geoff Tate gedacht hatte, dass die Band erledigt sei, wurde längst eines Besseren gelehrt. Obwohl die kompositorischen Glanzzeiten schon eine Weile zurück liegen, was mitunter auch mit dem Fehlen von Gitarrist Chris de Garmo zu tun hat, konnten sich Queensrÿche in dieser Zeit im Gespräch wie auch auf der Bühne halten. Das aktuelle Tour-Package mit Firewind liess gar ein paar Vibes der guten alten Zeiten wieder aufleben, als Konzerte mit unterschiedlichen Stilen den Fans die Möglichkeit gaben, neben der jeweiligen Lieblingsband womöglich was Neues zu entdecken. In meinem Fall galt das für den Opener Mirrorplain, von dem ich zuvor noch nie was gehört oder gesehen hatte.

Mirrorplain

Das deutsche Sextett aus dem Sauerland eröffnete den Abend vor noch vor einer ziemlich überschaubaren Kulisse, dafür pünktlich um 20:00 Uhr. Angesagt war "Independent Hardrock" inklusive Keyboards, der laut eigenen Aussagen eine explosive Mischung aus harten Riffs, eingängigen Melodien und epischen Synthi-Einflüssen sei. Das explosive Element erschloss sich mir dann aber schon beim Opener «No. 1-0-7» nicht wirklich, obwohl sich Frontmann Christian Döring gesanglich keine Blösse gab. Das Eingangsriff von «Northstar» klang dann zuerst schwer nach Shakra vor ein paar Jährchen, dann wurde es hinten raus getragener und klang letztlich wieder etwa gleich wie vorher. Spätestens bei «Lost in Paradise» wurde mir die Mucke von Mirrorplain jedoch zu dröge, da alles ohne erkennbare Varianz vorgetragen wurde. Man hatte das Gefühl, dass immer der gleiche Song läuft. Auch der Synthie, gespielt von Kevin Ax, säuselte ohne Variation wie völlig belanglos vor sich hin. Das Einzige, was mich überzeugte, waren der Leadgesang und die Backing Vocals. Den Rest konnte man sich eigentlich schenken. Die halbe Stunde Spielzeit wurde ausnahmslos mit neuen Songs ab dem aktuellen, im Mai erschienenen Album «Northstar» bestückt, und ganz ohne Resonanz des Publikums musizierten die Jungs natürlich nicht. Aber dieser in der Tat independente wie auch etwas alternativ anmutende Sound war absolut kein Genuss für meine Geschmacksnerven, und somit führte dieser Auftritt zwangsläufig nicht zu einem neuen Fan von Mirrorplain, was meine Wenigkeit angeht.

Setliste: «No. 1-0-7» - «Northstar» - «Judgement Day» - «Lost in Paradise» - «Sealed Off» - «Drown».


Firewind
Es dürften einige Monde ins Land gezogen sein, seit ich Firewind live…, keine Ahnung mehr wo…, vielleicht hier (als Headliner) gesehen habe? Stimmt, "sagt unser Archiv", aber das ist geschlagene elf Jahre her! Allerdings gilt dies nicht für Mastermind Gus G. himself, der ja im Januar am "ICE ROCK" Festival in Wasen im Emmental einen absoluten Killer-Gig als Solo-Artist hinlegte. Mit seiner Hauptband Firewind, und viele Jahre bevor er eine ganze Weile Klampfenhexer bei Ozzy Osbourne sein durfte (2009 bis 2017), spielte er mit seiner Truppe bis 2012 sieben full lenght Alben ein. Davon waren die ersten drei essentiell und danach kam etwas Sand ins kompositorische Getriebe. Vor zwei Jahren knüpften die griechischen Power Metaller mit dem bislang letzten Werk «Immortals» wieder an ihre guten frühen Jahre an. Trotzdem war bei dem umfangreichen Backkatalog davon auszugehen, dass eine entsprechende Auswahl getroffen wird, und so kam es dann auch. Unterstützt durch den Live-Gitarristen und Keyboarder Bob Katsionis (Warrior Path), der Rhythm-Section mit Petros Christo (b) und Joe Nunez (d) sowie Ex-Metalium Shouter Henning Basse spannte Gus den Bogen in der zu Verfügung stehenden Dreiviertelstunde zwischen der zweiten Scheibe «Burning Earth» (2003) mit «The Fire And The Fury» und dem aktuellen Langeisen «Immortals» (2017) mit dem Opener «Ode To Leonidas» und dem anschliessenden «We Defy» einen maximalen Zeitstrahl von vierzehn Jahren. Leider geriet das Ganze nicht zu einem neuerlichen Siegeszug auf ganzer Linie, im Gegenteil! Obwohl sich der Chef abermals keine Blösse gab, wirkte die Performance erstaunlich zahnlos und entwickelte keinen Druck nach vorne. Zudem erkannte ich den guten Henning nicht wieder, da seine einst so kraftvolle Gesangsstimme merklich nachgelassen hat. Das Beste war dann noch der «Flashdance»-Hit «Maniac», der ja offiziell auf dem Album «The Premonition» (2008) gecovert wurde. Unter dem Strich war das letztlich deutlich zu wenig, und auch wenn sich das Publikum stimmungsmässig gnädig zeigte, war dieser Auftritt im Gegensatz zum Exploit am "ICE ROCK" bloss ein laues Lüftchen.

Setliste: «Ode To Leonidas» - «We Defy» - «Head Up High» - «Few Against Many» - «World On Fire» - «The Fire And The Fury» - «Mercenary Man» - «Maniac (Cover Michael Sembello)» - «Falling To Pieces».


Queensrÿche
Nun musste aber eine deutliche Steigerung her, denn der bisherige Konzertabend gefiel mir bisher überhaupt nicht! Was könnte es dazu Besseres geben, als einen Auftritt von Queensrÿche?! Mit dem neuen Album «The Verdict» unterstrich die Band, dass die Ära mit Todd La Torre definitiv zukunftsgerichtet ist. «Blood Of The Levant» entpuppte sich nach dem Intro als würdiger Opener und der nachfolgende Track «I Am I» zeigte auf, dass das teils geschmähte Album «Promised Land» (1994) kein Totalausfall war und diese Songs, die vor einem Vierteljahrhundert (!) entstanden sind, eben doch ihren eigenen Reiz besitzen. Was die Fans aber hören wollen, sind die Songs aus der Frühzeit, und dazu gehörte mitunter auch «NM 156» von der 84er «The Warning»-EP. Dass Queensrÿche jedoch klar auch hinter ihrem jüngeren Material stehen, zeigte der Umstand, dass vier Tracks von «The Verdict» im aktuellen Set stehen. Frontmann Todd brauchte eh nicht lange, bis der das immer besser antizierende Publikum auf seine Seite ziehen konnte. Der Sound, den seine Kollegen dazu erzeugten, war stellenweise aber zu leise und legte, wie zuvor schon bei Firewind, erneut zu wenig Druck hin! Der heutige Abend versetzte der mehrheitlich guten Arbeit der Mischer im Z7 einen Dämpfer.

Nichtsdestotrotz holten dann die beiden «Mindcrime»-Klassiker «Operation: Mindcrime» und «Eyes Of A Stranger» wieder einige Kohlen aus dem Feuer und wurden in der etwa halbvollen Halle lautstark abgefeiert. Gleiches widerfuhr dann natürlich auch den drei Perlen ab dem Kult-Album «Empire» (1990), wovon die bald 30-jährige Jahrhundertballade «Silent Lucidity» den Anfang machte. Besonders da zeigt Todd immer wieder, wie verblüffend nahe er hierbei seinem Vorgänger Geoff Tate kommt. Das galt zu Beginn ebenso für die "Reifeprüfung" «Queen Of The Reich», die gesanglich brutal viel abverlangt und der in der letzten Zeit etwas Tribut gezollt werden musste. Logo nennt man das dann halt affektiertes Jammern auf allerhöchstem Niveau, aber Queensrÿche haben sich diese Messlatte selber gesetzt. Mit einer Spielzeit um 85 Minuten herum wurden ausserdem nicht alle anwesenden Fans im Z7 gleich zufrieden gestellt, mich eingeschlossen. Darüber hinaus ist immer noch die Live-Vakanz von Ur-Drummer Scott Rockenfield zu beklagen, der zwar technisch durch Ex-Kamelot Schlagwerker Casey Grillo durchaus würdig vertreten wurde. Unter dem Strich konnte die Chose mit dem agilen Axt-Duo Wilton/Lundgren trotz der einzelnen Mängel dennoch überzeugen, was heuer allerdings auch für Ex-Shouter Geoff Tate gilt, der zusammen mit der Italo Prog Metal Band Sweet Oblivion ein absolutes Killer-Teil raus gehauen hat!

Setliste: «Intro» - «Blood Of The Levant» - «I Am I» - «NM 156» - «Man The Machine» - «Walk In The Shadows» - «Condition Hüman» - «Queen Of The Reich» - «Silent Lucidity» - «Operation: Mindcrime» - «Propaganda Fashion» - «Screaming In Digital» - «Take Hold Of The Flame» - «Eyes Of A Stranger» - - «Light-Years» - «Jet City Woman» - «Empire».