Livereview: Greenfield Festival 2009
12. bis 14. Juni 2009, Militärflugplatz, Interlaken (BE)
By El Muerte & Kissi    Pics by: El Muerte & Tillate.com
Das Greenfield-Festival in Interlaken hat sich über die vergangenen Jahre hinweg klar zu einem Prestige-trächtigen Event gemausert. Während das Festival Line Up-Technisch immer mehr in den grünen Bereich für Metalheads abdriftete, schockten die bisherigen Bilder des anwesenden Publikums in unseren Kreisen dann doch eher für Stirnrunzeln: Das Durchschnittsalter schien bei etwa 16 Jahre zu liegen, die Durchschnittsbekleidung bestand aus Converse-Tretern, engen schwarzen Jeans, wahlweise einem nett gebügelten Trivium- oder Bullet For My Valentine-Shirt, und die Augen wurden durch's Band mit Schwarzer Farbe aufgepeppt - Grundsätzlich also definitiv nicht das Volk, in das sich Wald-Und-Wiesen-Metaller unserer Sorte gerne dazwischen mischen. Dementsprechend gut fiel dann aber das Urteil unsererseits am Ende des diesjährigen Jahrgangs aus: Nicht nur, dass die Programmation erneut eine ordentliche Ladung an Stromgitarren verpasst gekriegt hatte, auch das Publikum stellte sich als erfrischend durchmischt und gut gelaunt heraus - von frühpubertärem Evil-Getue keine Spur.

Während das Leben auf dem Camping-Platz mit dem üblichen Auswüchsen wie ordentlich Trinkspiele und dergleichen seinen natürlichen Gang nahm (Mit Ausnahme des Grill-Verbotes, Pfui!), sorgte das Nachtleben auf dem Festivalgelände dann doch für den einen oder anderen verwunderten Blick - In den Elektro-Partyzelten ging oftmals mehr ab, als in den Metal- und Rock-Spunten. Wem's gefällt… Die Konzerte hingegen entsprachen voll und ganz den Erwartungen: Nicht nur, dass viele der Bands wirklich fette Sets hinlegten, es reichte zugleich noch für den einen oder anderen unvermuteten Höhepunkt. Der einzige wirkliche Dämpfer am Festival war klar der überraschende Unwetteraufzug am letzten Abend während des Korn-Gigs, aber am letzten Tag eines dreitätigen Events kommt Frischwasser oft gar nicht mal so ungelegen…

Freitag 12.06.2009, Hauptbühne:

Bevor Caliban gegen um 16h30 den metallischen Reigen eröffneten, erlaubte sich ein Festival-Moderator noch den Gag des Jahrhunderts, und kündete auf der Hauptbühne Greenfield als das 'heavyeste' Festival der Schweiz an… Einmal Gratisticket für's Mountains Of Death inkl. Bruchteilzerlegung im Pit, kommt sofort! Jetzt sind ja Caliban schon grundsätzlich nicht zwingend meine Kragenweite, aber ihr Gig brachte sogar eine grosse Anzahl an anwesenden Fans zum Kopfschütteln - Nicht nur, dass Sänger Andreas Dörner fehlende Heavyness mit zwei fetten Tupfen Augenschminke wieder wettmachen zu versuchte - Nein, die Band nahm sich auch noch geschlagene zehn Minuten Zeit, um dem Publikum eine Wall Of Death aufzuzwingen… Bei 45 Minuten Spiezeite bei Weitem vermessen, aber eben… Caliban halt. Tatsächlich rannte das Caliban-Publikum auch gleich bereits im Intro los, und die Band begann noch mal von vorne mit dem ganzen Kinderkram. Nix für ungut, aber da hätten locker zwei Songs mehr reingepasst. Positiv zu vermelden war allderdings der bereits sehr gute Aufmarsch an Rock-Jüngern, das lob' ich mir. (elm)

Weiter gings kurz darauf mit Monster Mag… Ach ne, Shinedown. Hab' ich nicht viel von mitgekriegt, aber auf Distanz wäre ihr Fronter glatt als Ex-Junkie Dave Wyndorf durchgegangen - Scheinen auf jeden Fall beide früher das gleiche Zeug eingeworfen zu haben. Die Band schmiss gut 45 Minuten mit aktuellem Ami-Rock um sich, war sich aber offensichtlich zu Faul, selber für Höhepunkte zu sorgen. (elm)

Trivium sollten da schon ganz anders rüber kommen - Und sogar ich muss eingestehen, dass die Jungs mittlerweile ein paar Schrittchen vorwärts gekommen sind. Ich attestiere ihnen zwar immer noch keine Headliner-Qualitäten, aber das Ganze nimmt langsam grundsolide Züge an. Fronter Matt Heafy schien endlich wieder die Lust am Schreien zu verspüren, und im Allgemeinen zeigte sich die Mannschaft auch extremst bewegungsfreudig. Zwar wurde auch hier auf breitgetretene Floskeln zurückgegriffen (O-Ton: 'Ihr seid das beste Publikum, das wir je hatten!'), aber ansonsten war die Show im Lot. Und zwar sehr. (elm) >>>

Social Distortion setzten dem ganzen Gepose dann die nötige prise Rotz entgegen - Schon irritierend, Fronter Mike Ness und seine Mannen zwischen Poser-Bands präsentiert zu kriegen, aber die Jungs hatten klar ihren Spass daran. Gefühlte hundert Jahre wird jetzt schon rebelliert, und offensichtlich weiss Mr. Ness immer noch ordentlich in den Arsch zu treten. Das mittlerweile ordentlich angewachsene Publikum schien es ihm zu danken - Auch wenn der Aktionsradius vor der Bühne wieder etwas eingeschränkter als auch schon schien, so war die Stimmung doch um einiges gelassener. (elm)

<<< Mit Nightwish stieg dann um 22h30 Uhr der Publikumsmagnet des ersten Abends auf die Bretter - Die Band ballerte während den folgenden 90 Minuten Hit um Hit ins Publikum, und geizte auch sonst nicht mit allerhand Einlagen: Pyro und Lichtshow waren schon nach dem ersten Song im Dauereinsatz. Songs wie 'Nemo' oder 'Amaranth' kriegten dabei klar die grösste Zustimmung des Publikums, aber auch sämtliche weiteren dargebotenen Stücke wurden entsprechend belohnt. Mir persönlich schien die Band etwas ausgebrannt zu sein, und Annettes Ansagen wirkten auf mich ganz einfach zu aufgesetzt, aber ich würde mal spontan behaupten, dass ewiges Touren durchaus an der Stamina nagt. Solider Gig, aber da hätte klar mehr drin gelegen. (elm)


Freitag 12.06.2009, Zeltbühne:

Der Opener der Zeltbühne hätte wohl nicht querer Ausfallen können - Horse The Band aus Kalifornien brachten eine ordentliche Ladung Durchgeknalltheit mit an die Startlinie: Das Quintett vermischte nicht nur extrem gegensätzliche Stilrichtungen wie Techno und Deathcore zu einem schwerverdaulichen Brocken, sondern tobte dazu auch noch in den bescheuersten Klamotten über die Bühne – Hab' wohl das Memo verpasst, enge abgeschnittene Jeans scheinen wieder 'in' zu sein. Aber gerade weil die Band so wirr wirkte, fand sie beim Publikum überraschend guten Zuspruch, und dem entsprechend explodierte die Stimmung ziemlich schnell. Auch geil war der Techniker, der für den Gig den Triangel (!) bediente - Kein Plan, wo der im ganzen grossen Konzept der Band seine Rolle verstand, aber dem auch so bereits denkwürdigen Gig setzte er klar das I-Tüpfchen auf. (elm)

Zwei Bands weiter waren dann die Engländer von Gallows am Start, die bereis zu Beginn unmissverständlich bereits mal die Klöten aufs Parkett knallten. Hardcore-Punk hiess die Devise, Hardcore-Punk sollte es werden - Mit breitestem Südengland-Akzent verkündete Fronter Frank Carter seine Thesen, animierte das Publikum zum Durchdrehen, und hielt dazwischen noch eine wunderbare Ansage an all die religiösen Leutchen da draussen ('Any Catholics here? Muslims? Protestants? Folks, you got it wrong! We all eventually end up in the same grounds!). Sehr feine Sache, zumal bei der aktuellen Scheibe 'Grey Britain' Überproduzent Garth Richardson (Testament, Rage Against The Machine, Sick Of It All) seine Finger mit im Spiel hatte. (elm)

Gleich darauf folgte mit …And You Will Know Us By The Trail Of Dead das pure Gegenteil - Simple Strukturen wichen minutenlangen mühselig aufgehäuften Schichten an instrumentaler Wucht, pure Energie wich kalkulierten Ausbrüchen. Fakt ist, dass beim Instrumentarium von …Trail Of Dead eigentlich nur ein kompletter Soundcheck ausreichen dürfte, um der Band ordentlich Gehör zu verschaffen - Dementsprechend ging das Ganze dann leider im Chaos auch etwas unter. Was auf Platte und in einfach strukturierten Events wirklich sensationell funktioniert, war am Greenfield nicht viel mehr als ein Sturm im Wasserglas. Aber war soll's, die Band kommt eh zurück. Und wieder. Und wieder. (elm) >>>


Samstag 13.06.2009, Hauptbühne

Metal um 13h15 Uhr? Aber gerne doch! Zwar machte mir die penetrante Sonne bereits ordentlich zu schaffen, aber den Spass an Parkway Drive's Gig vermochte das nicht zu mindern: Die Band hatte offensichtlich einfach eine riesen Freude, hier auf der Bühne stehen zu dürfen. Ihr unterm Strich doch etwas durchschnittlicher Metalcore kam durch die positive Attitüde noch eine Runde wuchtvoller rüber, die Jungs hatten offensichtlich einfach Bock den Laden auseinander zu nehmen. Auch sehr fein: Das junge Publikum war auch hier bereits zahlreich vor Ort, und gab' im ersten Pit des Tages bereits die Devise durch. (elm)

A Day To Remember schafften es dann auch, dem Beispiel von Parkway Drive zu folgen, und konnten mit der punkigen Schlagseite die Stimmung noch einmal steigern. Auch hier schien die Spielfreude der Band beinahe Überhand zu nehmen, gepaart mit dem groovigen Material konnten hier bereits erste Höhepunkte des Tages verbucht werden. (elm)

<<< Mit Dredg mitten im Programm wurde den Teenies ein weitaus schwerlicher verdaubarer Act vor die Nasen geknallt, und viele der anwesenden Mosher legten noch während dem ersten Song den Rückwärtsgang ein - Was Dredg aber nicht davon abhielt, den meiner Meinung nach zweitbesten Gig des ganzen Festivals hinzulegen. Die Band spielt einfach so verdammt tight, dass ihr progressiver Indierock live schon eine beinahe metallische Färbung an den Tag legt. Das Quartett zockte sich durch Songs sämtlicher vier Alben, aber der Fokus war klar auf die neue Scheibe gerichtet - ganze vier Songs des 45-Minütigen Sets stammten davon ab. Drummer Dino hätte am Ende wahrscheinlich die Trophäe für den durchgeknalltesten Schlagwerker abholen können - Der Mann spielt nicht nur mit der linken Hand gleichzeitig noch E-Piano, sondern trommelt auch gerne Mal auf den Monitor-Boxen rum. Wunderbare Musik, und vor allem passend zum mittlerweile blendenden Wetter. (elm)

Anders als Dredg war es für Soulfly das erste Gastspiel am Greenfield, doch wie alte Bekannten wurden Max Cavalera und seine Mannen mit einem überraschenden Besucheransturm begrüsst. Das erste Mal kam dabei auch so etwas wie Bewegung im Publikum auf, soll heissen, Moshpit, Crowdsurfen und Headbangen waren plötzlich keine Fremdwörter mehr und Songs wie 'Blood Fire War Hate', 'Eye For An Eye' oder 'Unleash' mit Cavalera jun. Als Gastsänger wurden trotz eher unspektakulärer Show und unterirdisch matschigem Sound abgefeiert. (kss)

Will man über die Metalszene der letzten Jahre sprechen, so kommt man um eine Band nicht herum: Volbeat. Die Elvis-Rocker um Front-Tolle Michael Poulsen legten in der jüngeren Vergangenheit einen kometenhaften Aufstieg hin wie keine andere Band dieses Härtegrads, wobei man in Interlaken an Zugkraft im Vergleich mit Soulfly noch etwas hinterherlag, denn deutlich weniger Leute stritten sich nun um gute Plätze möglichst nahe bei der Bühne. In Sachen Performance und Power zeigten sich die Dänen aber mehr als würdig für diesen Posten und rockten eine Stunde lang ohne Wenn-und-Aber, dafür mit reichlich Humor (Poulsen: 'We are Cannibal Corpse!', worauf ein 60-Sekunden-Geprügel folgte) und einem anständig druckvollen Sound. Wenn das Quartett nach diesem Auftritt nicht einige Shirts und Kopien ihres aktuellen Outputs 'Guitar Gangsters & Cadillac Blood' an den Mann/die Frau bringen konnten, sehe ich für die Schweiz also wirklich keine Hoffnung mehr. (kss)

Guano Apes stellten für viele Besucher sowas wie das Fragezeichen im heutigen Programm dar. Hatte eine Band, die vor fünf Jahren mit Boarder-Hymnen punktete, nicht irgendwie ausgespielt? Woran kann sich eine solche Formation heute noch festhalten? Die Antwort darauf wurde bereits mit dem ersten Song klar und deutlich herausgeschrien: Guano Apes wollen einfach rocken, und das taten sie dann auch - Und zwar überraschend fett. Fronterin Sandra Nasic verfügt nach wie vor über eine starke Bühnenpräsenz, gepaart mit einer sensationellen Stimme. Die Band hatte offensichtlich Feuer gefangen, Drummer Dennis hieb auf jeden Fall wie bescheuert auf sein kleines Kit ein. Ich werde wohl nie ein Fan von typischen Crossover-Hymnen sein, aber progressivere Nummern wie 'Quietly' konnten auch mich begeistern - Greenfield dankte der Band mit einer Hüpforgie. (elm)

Die letzten Sonnenstrahlen tauchten die Bergwelt in stimmiges Licht, als die Megaseller von Billy Talent auf die Bühne spurteten. Man mag von dem Kreischgesang Benjamin Krowalewicz' und der Mischung aus traditionellem Metal und Punk halten, was man will, doch wie sich die vier Kanadier an diesem Abend als Co-Headliner gebaren, kann gut und gerne als Lehrstück in Sachen Live-Darbietung betrachtet werden. Unermüdlich permanent in Bewegung und unglaublich tight liess das Quartett einen Bandhit nach dem anderen auf das ihnen zugetane Publikum hinunterrasseln, während die Lightshow zum ersten Mal an diesem Tag zur Geltung kam und die Truppe mal in passend zum Backdrop gelbes, dann wieder feuerrotes Licht tauchte. Von 'Devil In Midnight Mass', über 'Fallen Leaves' und 'Devil On My Shoulder' bis zur aktuellen Single 'Rusted From Rain', jeder Song wurde abgefeiert, als wäre es der letzte Song 'Red Flag'. Die Billies indes zeigten sich bescheiden, bezeichneten das Greenfield als ihre zweite Heimat ausserhalb Kanadas (räumten schon 2008 ab) und bedankten sich wieder und wieder für die Gelegenheit, vor Legenden wie Faith No More auftreten zu dürfen. (kss)

Gegen 22h30 Uhr war es dann Zeit für Faith No More. Jetzt legen Bands mit Reunion-Gigs ja meistens das mehr oder weniger selbe Verhalten an den Tag: Riesen Showintro, Monster-Backdrop, Tata, wir sind wieder da, auf die Knie mit euch. Faith No More taten nix dergleichen. Licht aus, warten. Der Anfangs-Applaus verebbte bald, erste Buhrufe wurden laut. Die Scheinwerfer wurden irgendwann darauf gemütlich etwas hochgefahren, und da standen die fünf Mucker dann - ganz unspektakulär und beiläufig. Und anstatt das Set mit 'nem Knall zu beginnen, legte das Quintett mit einem jazzigen Cover los. Teenies fluchten, Emos liefen davon, Faith No More swingten. Aber Faith No More wären nicht Faith No More, wenn der Arschtritt nicht bald darauf folgen würde - Und tatsächlich: 'The Real Thing' brach kurz darauf über die Massen her, Fronter Mike Patton riss sich Jacke und Krawatte vom Leib, spuckte Gift und Galle, und verschluckte mehrere Male beinahe das Mikro. Was dann folgte, war ein Lehrstück in Sachen Rundumschlag. Nicht nur, dass Faith No More total beinahe zwanzig Songs aus den Instrumenten prügelten, sie taten es auch noch mit dem für sie so typischen Grinsen auf der Lippe. Egal ob 'From Out Of Nowhere', 'Evidence', 'Last Cup Of Sorrow', 'Ashes To Ashes', 'We Care A Lot', 'Epic' oder die eingestreuten Covers von Lady Gaga's 'Pokerface' und der Top-Gun Titelmelodie, Faith No More spielten in erster Linie für sich selber, das ganze Theater um die Band schien in ihren Augen bereits überrissen zu sein. Das Publikum wusste an vielen Stellen ebefalls oft nicht wie zu reagieren, immerhin war der grösste Teil davon mit vielen Songs einfach nicht vertraut genug. Das tat dem Gig selber aber keinen Abbruch, Faith No More spielten sich in den verdienten Rausch, und Patton flippte kontrolliert aus - Auch an dieser Stelle mal wieder zwei Daumen in seine Richtung: Was der Kerl alles an Geräuschen nur mit Hilfe seiner Stimmbänder fabriziert, ist einfach gigantisch. Reunion geglückt, würde ich mal sagen. (elm)


Samstag 13.06.2009 , Zeltbühne:

Nicht gerade viel Interesse auf sich ziehen konnten die Indie-Rocker von Lovedrug. Das Quartett um Sänger und Gitarrist Michael Shepard erfüllte mit ihrem leichten Rock zwischen Coldplay und Radiohead angesiedelten Rock das gigantische Zelt, welches nur von wenigen aufgesucht wurde, wobei auch diese wohl eher Flucht vor der unbarmherzigen Sonne suchten, anstatt sich wirklich für den Sound der Amis zu begeistern. (kss)

Auch ein Ohr voll Zukunft riskierten darauf bei Future Of The Left nur wenige. 'Selber schuld!' konnte man da nur denken, denn mit ihrem etwas sperrigen Synthie-Rock zählten die Waliser zu den vielleicht spannendsten Acts des ganzen Festivals. Stoner-Riffs trafen auf Kraftwerk-Beats und die Stimme von Andy 'Falco' Falkous, welche an einen gewissen Zack de la Roqua von Rage Against The Machine erinnerte. Ob zu avantgardistisch oder im Vergleich zu Max Cavalera's Soulfly einfach zu unbekannt, die Herren von der Insel nahmens locker, spielten souverän und wechselten auch schon mal die Instrumenten unter einander aus. (kss)

Auf die Frage 'Itchy Who?' schien am Greenfield das Gros der Festivalbesucher die passende Antwort zu kennen. Zum ersten Mal am Samstag verwandelte sich die Zeltbühne vom kühlen Rückzugsort zur Partyzone, als das deutsche Pop-Punk-Trio die Bühne stürmte. Durch MTV in den letzten Jahren massiv gepusht, lieferten die Green Day der Bundesrepublik wie schon 2007 eine tadellose Show ab, Emo-Fans und Song-Einfachheit hin oder her. (kss)

Weniger geschliffen, weniger poppig und weniger mtv-like ging es darauf bei den Broilers zu und her, was nicht zuletzt wohl auch Grund für die deutlich kleinere Publikumsgrösse war. Zwischen traditionellem (Oi-)Punk und Psychobilly angesiedelte Gitarren sorgten für den nötigen Wumms, während die von jedem Metaller gefürchteten Off-Beats und Keyboard-Bläser die Ska-Einflüsse offenlegten. Dass man aus Düsseldorf, der Heimatstadt der Toten Hosen, stammend weiss, wie man Deutschpunk zu spielen hat, bewies das Quintett zwar, das spannendste an dieser Performance war aber letztlich doch nur das Aussehen der toughen Bassistin Ines Smentkowski, sodass man sich fragen musste, wie um alles in der Welt eine eher belanglose Punkband einen solchen Slot erhalten konnte. (kss)

<<< Diese Frage stellte sich bei den Ska-Dauerbrennern Less Than Jake nicht, hatten sie doch schon zwei Jahre zuvor in Interlaken unter Beweis gestellt, dass man es locker mit Szenegrössen wie Ska-P aufzunehmen wusste. Vor vollem Haus bzw. Zelt versetzte das Quintett um Fronter Chris Demakes die Fans in einen Ska-Dauerrausch und das bei zwar nicht gerade lupenreinem, die Stimmung scheinbar aber nicht trübendem Sound. Als dann aber in der Hälfte ihres Sets die Show von Billy Talent auf der Hauptbühne ihren Anfang nahm, dezitierte sich das Publikum schlagartig, was Fans der Band wohl eher positiv betrachteten, fanden diese nun doch umso mehr Platz zum Tanzen bzw. Pogen. (kss)

Eigentlich hätte man nach der eindrücklichen Wiederauferstehung von Faith No More ja getrost ins eigene oder eines der Party-Zelter wechseln können, um den Abend mit einigen Bierchen ausklingen zu lassen. Erstaunlich viele aber entschieden sich für die dritte Variante und trotteten nochmals zurück zur Zeltbühne, um sich dort ein 'Bettmümpeli' in Form des energetischen Indie-Rocks von The Wombats einzuverleiben. Das schrille Trio aus Liverpool, welches zu Beginn seiner Karriere erst mal in Japan Erfolge feierte, bevor es den Rest der Welt eroberte, überzeugte mit seinen eingängigen Melodien, die nicht selten nach den Arctic Monkeys klingen, und exzessivem Herumrennen. Ein würdiger Abschluss für den zweiten Festivaltag. (kss)


Sonntag 14.06.2009, Hauptbühne:

Myspace sei dank durften am Sonntag morgen die Zürcher Dry Conditions den Bandreigen des letzten Festivaltages auf der Hauptbühne eröffnen und dies mit einer Verzögerung von ca. 20 Minuten. Die allesamt in goldene Trainerjacken gehüllten Jungs fühlten sich sichtlich wohl auf der für sie wohl ungewohnt grossen Bühne und weckten das noch nicht allzu vielzählige Publikum mit ihrer Mischung aus Punk und Rotzrock auf vielversprechende Weise. (kss)

Mit Cataract betrat einer der wenigen wirklich bekannten Schweizer Acts die Greenfield-Bühne bereits zum zweiten Mal - Welche Gründe die Programm-Chefs dazu bewegten, das Zürcher Quintett bereits zum zweiten Mal in Folge einzuladen, werden wir wohl nie erfahren. Tatsache ist allerdings, dass die Schweiz bei weitem noch andere qualitative Acts aus dem Ärmel schütteln könnte. Überraschenderweise wirkte die Band beim Gig ziemlich motiviert, was man so von den letzten Clubshows nicht behaupten kann. Während die Saiten-Akrobaten ordentlich posten, und der Drummer zum ersten Mal seit einer Weile auch wieder richtig in die Felle drosch, feuerte Fronter Fedi das Publikum pausenlos an. Ihre Mucke kam dann auch wirklich gut an, zumal das Material den bereits anwesenden Besuchern ziemlich vertraut schien. Cataract bleiben meiner Meinung nach eine überbewertete Band, aber mit diesem Gig kamen sie ihrem Ruf endlich wieder näher - Hoffen wir mal, dass die Jungs nun endlich die Kurve kriegen. (elm)

Ist man im Ami-Land gross (3 Nummer-1-Alben nacheinander, gefolgt von einem Platz 3), so heisst das nicht immer gleich, dass man auch auf unsrem alten Kontinent zur Spitze der Musikwelt zählt. Die Alternativerocker Staind schlugen sich aber dennoch artig, vermochten das Publikum aber immer noch nicht richtig aus dem Schlaf zu rocken, auch wenn die Masse vor der Bühne langsam eine ansehnliche Grösse erreichte. Einzig mit ihren meist etwas schmalzigeren Hitsingles wie 'It's Been Awhile' oder 'Outside' aus dem Jahre 2001 dachte dabei wohl der eine oder andere Greenfielder, das hätte er doch schon einmal gehört. (kss)

Das 'Wort' Jammer kam einem schon fast in den Sinn, betrachtete man den Platz vor der Bühne, als in gewohnt souveräner Manier die Stoner-Veteranen von Monster Magnet ihre Show begannen. Bis mitten vor die Bühne zu laufen gestaltete sich nämlich an diesem Wochenende selten einfacher als in den 45 Minuten, während welchen der wieder cleane und stimmlich rehabilitierte Dave Windorf und seine Mannschaft einen Riffkracher nach dem anderen auf das scheinbar meist musikalisch ungebildete Publikum hernieder donnern liessen. Fans der Band störte das wenig, genauso wie die Band selbst, welche mit vollem Einsatz drogenverseuchte Stoner-Hypnotika à la 'Dopes To Infinity', 'Zodiac Lung' oder 'Right Stuff' austeilte, wobei das Highlight 'Space Lord' bis zum Ende auf sich warten liess. Ob die Kürzung des Auftritts um ca. 10 Minuten dann doch auf das eher spärliche Publikum zurückzuführen war, kann nicht beantwortet werden. (kss)

Ganz anders das Bild bei Disturbed. Mit ihrer letzten Scheibe 'Indestructible' bis auf Platz 15 in den Schweizern Charts vorgerückt, konnten sie die Festivalbesucher einerseits vor die Bühne locken und andererseits endlich zum Abgehen motivieren lassen, was endlich auch wieder mal zum einen oder anderen Crowd Surfer führte. Begonnen mit 'Voices', über 'Just Stop', 'Prayer', 'Inside The Fire' und bis zum grandiosen Finale bestehend aus 'Ten Thousand Fists', zu welchem sich natürlich auch tausende Fäuste in die Höhe reckten, 'Indestructible' und 'Down With The Sickness', das Publikum schien jede Nummer zu kennen und sang zusammen mit Stimmwunder David Draiman, welcher live wie immer weniger von den Socken haute als auf Platte, brav im Chor. Klampfer Dan Donegan zeigte sich indes von seiner agilsten Seite und weil gleichzeitig auch noch der Sound druckvoll mitmachte, entpuppten sich Disturbed zu einem der Abräumer des Festivals und untermauerten ihren Ruf, sowohl Metaller als auch alternatives Publikum für sich begeistern zu können. (kss)

Als Korn gegen 19h00 die Bühne betraten, hatte sich der Himmel über Interlaken endgültig verdunkelt, von der Sonne war nicht mehr viel zu sehen. Nichtsdestotrotz drängte sich eine überraschend grosse Anhänger-Schar vor die Bühne, Korn schienen auch nach knapp 15-jähriger Existenz nicht an Reiz verloren zu haben. Obwohl ich der Band nach dem Gig etwas Blassheit attestieren würde, kann wohl trotzdem mit Fug und Recht behauptet werden, dass sie nach wie vor ein wahrer Koloss an fetten Grooves darstellen. Egal ob Hits wie 'Somebody, Someone', 'Here To Stay', 'Freak On A Leash', oder 'Coming Undone', die Band entwickelt ihre Energie aus der Einfachheit heraus. Nebst dem übrigbleibenden Trio Jonathan Davies (Vocals), Fieldy (Bass) und Munky (Gitarre) begleitet die Band nun noch ein weiterer Gitarrist, ein Keyboarder, und Neuzugang Ray Luzier am Schlagzeug. Der gute hob die Arbeit seines Vorgängers und Band-Mitgründers David Silvera dank seines technischen Könnens auf eine neue Stufe, und verpasste so der Musik eine äusserst passende Fülle an Details. Irgendwo im Laufe des Gigs eröffneten dann die Regenwolken den Angriff auf die nach wie vor doch sehr sommerlich bekleideten Besucher, während ein überraschend starker Wind die Regentropfen streckenweise beinahe wagrecht in die Gesichter klatschte - Ein denkbar unwürdiges Omen, wenn man an das unsägliche Ende der ersten Edition des Greenfield-Festivals denkt - Glücklicherweise hatten aber Swisscom und Nokia vorausgedacht, und verteilten gratis Regen-Pellerinen. Obwohl sich kurz darauf auch noch die grosse Blache rechts der Hauptbühne löste, und sich die Crew gezwungen sah, die seitlichen Monitorwände zu senken, rockten jedoch Korn unermüdlich weiter, um auf dem Höhepunkt des Wetterchaos' 'Another Brick In The Wall' von Pink Floyd zu zocken - Passender hätte die Sache nicht abgeschlossen werden können, die Kombination an Wetterkondition und Musik war schlicht gigantisch. Blöderweise zögerte die Band den Schluss noch mit einer mehr als unpassenden Improvisation aus, aber das will ich ihnen angesichts des fetten Gigs noch mal verzeihen. (elm)

Slipknot schliesslich als Headliner am Sonntag Abend auf die Bühne zu schicken, sollte sich im Endeffekt als strategisch schlaue Entscheidung herausstellen - Die Fans blieben schlicht und einfach bis zur letzten Minute vor Ort. Ein paar Kaffee-Stände mehr hätten die Sache ziemlich sicher angenehmer gemacht, aber immerhin hatten der Regen und der Wind nachgelassen. Slipknot selber spielten sich über die folgenden 80 Minuten zielsicher durch Wände an Riffs wie 'Duality', 'Psychosocial', 'Left Behind' und ältere Klassiker der Marke 'Wait And Bleed' und 'Eyeless'. Fronter Corey Taylor schien sich zwar etwas zurückzuhalten, doch seine Stimmbänder dankten es ihm mit der üblichen vollen Dosis an Wutausbrüchen. An der Instrumentalen Front glänzten mal wieder Drummer Joey Jordison und die beiden Klampfer James Root und Mick Thompson. Ich würde mal spontan sagen, dass sich die drei mittlerweile optimal ergänzen, sämtliche kleine und grosse musikalische Ausbrüche werden von ihnen ohne zu zögern aufgefangen und in strukturiertes Chaos umgesetzt. Zusammen mit den hüpfwilligen Fanscharen gelang es der Band locker, dem Greenfield-Festival noch einmal amtlich in den Hintern zu treten. Ich hätte zwar mehr Moshpit-Action erwartet, aber drei Tage Festival-Luft zerren halt amtlich an den Energie-Reserven. (elm)


Sonntag 14.06.2009, Zeltbühne:

Es dauerte eine Weile, bis man als Unwissender das Front-Es der Briten Animal Kingdom als Mann erkannte. Von der Androgynität her an Placebo's Brian Molko erinnernd, hatte der liebe Gott Richard Sauberlich mit einer noch feminineren Stimme ausgestattet. Dieser feminine Indie-Garage-Rock schien aber nur wenigen zu gefallen und so rackerte sich das Quartett von einer eher enttäuschend leeren Halle ab. (kss)

Poetische Texte, eingängige und leicht verdauliche Melodien, das sind die Dinge welche Fans an den deutschen Poprockern Tomte lieben und blickte man während ihrem zweiten Gastspiel (das Quintett wurden schon 2007 einmal eingeladen) am Greenfield so durch die Halle, funktioniert dieses Rezept bei einem ganzen Haufen Menschen. Insbesondere die jüngeren Blumenkinder sangen aus Leibeskräften die Lyrics über Welt- und Herzschmerz aus Leibeskräften mit, sodass es wohl nicht lange bis zum nächsten Greenfield-Tomte-Gig dauern wird. (kss)

Elektrizität liegt in der Luft, als der Sozusagen-Zeltbühne-Headliner The Subways einen alles andere als unterirdischen Gig ablieferten. Mit reichlich Körperspannung rockten das britische Brüderpaar Billy Lunn (voc/git) und Josh Morgan (drums) unterstützt von Tiefton-Nixe Charlotte Cooper wie Derwishe über die Bühne und nahmen so den Sturm vorneweg, welcher gegen Ende ihres Sets auch das grosse Zelt bedrängen würde. Bis dahin sprintete aber vor allem Madame Cooper über die Bühne wie von Hummeln gestochen und Garage-Songs wie 'Oh Yeah' und 'She Sun', welche beide schon in Werbungen verbrutzelt wurden, motivierte das Publikum zum Zappeln und Rappeln. Und wenn man dann am Ende seines Sets auch noch einen echten Rock'n'Roll-Hit für die Ewigkeit, nämlich 'Rock'n'Roll Queen' aus dem Ärmel schütteln kann, dann interessiert sich keiner, aber auch wirklich keiner mehr ein Quäntchen für die sintflutartigen Regenfälle, welche immer mehr Leute in die Halle trieben. Die Abräumer des Festivals! (kss)